10.01.2012

Die aus Jena sind die Härtesten

Die Anforderungen sind hoch: Gläser für Smartphones und Tablet-PCs müssen extrem leicht, aber zugleich auch extrem kratz-, schlag- und druckfest sein. Bisher erfüllten nur Gläser aus US-amerikanischer und japanischer Produktion die Kriterien.

Im Oktober lud die Schott AG Hersteller ein, das neue Glas zu testen. Die Jenaer haben – nach eigenen Angaben – das neue Glas bei allen großen Anbietern von Smartphones und Tablet-PCs in Asien und den USA vorgestellt.

Die Resonanz sei positiv, heißt es bei Schott. Das Unternehmen hält einen Jahresumsatz in dreistelliger Millionenhöhe ($) für realistisch. Anfang 2012 soll die Serienproduktion bei der Schott Technical Glass Solutions GmbH in Jena beginnen.

„Wir haben nicht zu viel versprochen, die Rückmeldungen aus den Testlabors der Anwender sind positiv“, erklärt Geschäftsführer Klaus Schneider. Genauere Angaben zu dem Auftragsvolumen oder den Auftraggebern will er dennoch nicht machen, „das wäre zu früh“.

Der 64-jährige Schneider, ein erfahrener Glasingenieur und seit mehr als 40 Jahren mit der Glasherstellung beschäftigt, benennt die spezifischen Anforderungen für das Produkt: „Sie brauchen eine extreme Kratzfestigkeit – Handys oder Tablet-PCs werden ständig mitgeführt und liegen z. B. mit Schlüsseln oder Stiften in der Tasche. Außerdem ist eine hohe Schlagfestigkeit gefragt, so ein Handy fällt schon mal runter. Und als Drittes brauchen sie eine hohe Druckstabilität.“ Die sei um 20 % höher als bei den Spezialgläsern der Konkurrenz, so das Unternehmen.

Xensation Cover will den bisherigen Marktführern die Stirn bieten: Mit einer Druckstabilität von 850 Megapascal und einer hohen Biegefestigkeit übertrifft es die Konkurrenz des US-amerikanischen Anbieters Corning („Gorillaglas“) oder von Asahi Glass AGC in Japan („Dragontrail“). „Ein Marktanteil von 20 % ist durchaus realistisch – von null auf 20 % wäre ein großer Schritt“, meint Klaus Schneider.

Besonders attraktiv für die Anwender ist laut Schneider vor allem eines: „Wir liefern ein Glas, das etwa 20 % schneller verarbeitet werden kann.“ Die chemischen Eigenschaften des Werkstoffs (Alumino-Silicat) erleichterten das „Vorspannen“ der Gläser in den Geräten. Schneider: „Wir haben ein Glas entwickelt, das es den Anwendern ermöglicht, mit gleichen Prozesszeiten höhere Festigkeiten – oder mit geringeren Prozesszeiten genau die gleichen Festigkeiten wie die Konkurrenz zu erhalten. Und dadurch entsteht für uns ein Wettbewerbsvorteil.“

Neben der chemischen Formel für die Herstellung zählt auch die „Wanne“ zu den Spezialentwicklungen von Schott. Zur Formgebung des Spezialglases entwickelte das Unternehmen ein hallengroßes, glühend heißes Flachbett, das „float bath“, in dem bei Temperaturen bis zu 1400 °C der gläserne Werkstoff in unterschiedlichen Stärken ausgebreitet werden kann.

„Der Trend geht zu immer dünneren und damit leichteren Gläsern, bis hin zu 0,55 mm Dicke“, erläutert Schneider.

Schnelle Nachahmer fürchtet Geschäftsführer Schneider nicht: „Glasmachen ist Erfahrungssache. Selbst wenn Sie die Technologie nachbauen, können Sie noch lange nicht Spezialgläser in der erforderlichen Qualität herstellen.“ Weitere Verbesserungen – z. B. verbesserte Sensibilität und Bedienbarkeit – seien nur in Zusammenarbeit mit den Anwendern möglich.

Schneider: „Zurzeit befinden wir uns in einer komfortablen Situation. Die Märkte für Smartphones und Tablet-PCs wachsen, die Nachfrage ist weiterhin hoch.“

350 Mitarbeiter sind derzeit bei der Schott Technical Glass Solutions GmbH in Jena beschäftigt. 40 Arbeitsplätze sind durch die Vorbereitung und Entwicklung der Produktion bisher neu entstanden, weitere können folgen: „Auf jeden Fall ist die Erweiterung der Kapazitäten notwendig.“ HILDE WEEG