Glas im Interieur: Stimmungsmacher mit hoher Funktionalität

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Treppen, Trennwände, Möbel, Wandverkleidungen, Geländer und Brüstungen – dem Einsatz von Glas im Haus sind keine Grenzen gesetzt. Da der Werkstoff durch das Zusammenspiel von Licht, Reflexion, Transmission, Farbe und Textur immer neue gestalterische Möglichkeiten für Architekten, Interieur und die Möbelgestaltung eröffnet, liegt er im Innenausbau als innovative Alternative zu Holz, Metall oder Stein voll im Trend. Die Branche hat sich auf den steigenden Bedarf mit einer Vielzahl von Lösungen für die Innenraumgestaltung eingestellt.

Architekten stehen vor schwierigen Aufgaben: Einerseits   steigt der Bedarf an Glasfassaden, die für Helligkeit sorgen und Gebäude repräsentativer wirken lassen. Das Problem: Gebäude mit Glashülle heizen im Sommer schnell auf, sodass innovative Glasprodukte intelligent eingesetzt werden müssen, um eine energieintensive Klimatisierung zu vermeiden. Andererseits ist das Know-how und die Kreativität der Architekten in zunehmendem Maße auch bei der Innengestaltung von Häusern gefragt. Denn dank seiner Vielseitigkeit, hohen Funktionalität und Sicherheit spielt Glas im Innenausbau eine immer stärkere Rolle und löst bisher gängige Materialien wie Metall oder Stein ab: Farbe und Strukturen werden mit dem Glas vereint, besondere Texturen und Oberflächen geschaffen und als gestaltete Werkstoffe eingesetzt. „Anwendungen im Innenbereich sind von stetig steigender Bedeutung für den Glasmarkt. Etwa die Hälfte der in Deutschland verkauften Menge an Einscheiben-Sicherheitsglas und fast ein Viertel des Verbund-Sicherheitsglases gehen nach unseren Zahlen in den Innenausbau“, sagt Jochen Grönegräs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Flachglas.

Die Hersteller fördern die Nachfrage der Architekten nach den edel wirkenden Glasprodukten und haben Bearbeitungsverfahren und moderne Designs entwickelt, um ein möglichst vielfältiges Portfolio an gestalteten Gläsern anbieten zu können. Grundlage für ihre Produkte bietet die gesamte Glas-Produktpalette, vom ESG über VSG bis zum Isolierglas. Nach Glaszuschnitt, Kantenbearbeitung, Bohren und Formgebung durch CNC-Bearbeitung werden die Gläser je nach Wunsch und Bestimmungsort individuell gestaltet: Lackiertes Glas wird etwa in Küchenrückwänden, Wandverkleidungen oder Möbelfronten eingesetzt. Sieb- und Digitaldruck wiederum bieten gute Möglichkeiten, um Flachglas persönlich zu gestalten und mit Motiven zu versehen. In VSG integrierte farbige Folien können Räume in spezielles Licht hüllen und ein für den jeweiligen Ort passendes Ambiente erzeugen. Sandgestrahltes Glas eröffnet weitere gestalterische Möglichkeiten für Dekore sowie Bilder oder Muster. Mit UV-Verklebung können schließlich verschiedene dreidimensionale Glaskonstruktionen für die Möbelindustrie sowie den Laden- und Ausstellungsbau kreiert werden.

Zu den neuesten Produkten im Bereich der dekorativen Verglasungen zählt das Designglas „Fluid“ von Saint-Gobain Glass. Das Besondere ist seine dreidimensionale Wirkung, die nach Angaben des Unternehmens auf einer Neuentwicklung bei der Glasproduktion fußt. Geprägte Passagen im Glas wechseln sich anders als bei herkömmlichem Gussglas mit transparenten Bereichen ab. „Diese neue Form der Design-Prägung entspricht den Wünschen unserer Kunden nach flacheren und moderneren Glasstrukturen“, heißt es bei Saint-Gobain Glass. Die fließende Struktur ermögliche zudem einen problemlosen horizontalen wie auch vertikalen Zuschnitt für die weitere Verarbeitung zu ESG oder VSG sowie für vielfältige weitere Anwendungsmöglichkeiten im Isolierglassektor und im Interieur. Fluid ist aktuell in vier und sechs Millimetern Dicke in der Abmessung 200 mal 321 Zentimeter erhältlich.

Neu sei aber nicht nur das Glas, sondern auch der Weg zu der Neuheit. Denn Fluid sei von einem jungen Designerteam entworfen worden, das eine Designglas-Linie entwickelt habe, die von natürlichen Strukturen inspiriert sei. „Fluid vereint ein einzigartiges Design mit faszinierender Raumwirkung und setzt neue Standards im Designglasbereich. Es gibt Räumen Charakter und regt an zum Experimentieren. Damit ist es auch eine attraktive hochwertige Alternative zu satiniertem Glas“, heißt es (Quelle: Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH).

Das Muster könne horizontal oder vertikal eingesetzt werden und erzielt so jeweils andere Wirkungen. Das Glas suggeriere Materialtiefe und werde so selbst zum Designobjekt. Damit sei es auch das ideale Material für einen neuen architektonischen Trend: Designglas in der Fassade.

AGC Interpane wiederum, eine strategische Allianz von Interpane und AGC Glass Europe, hat ihre Produktpalette beim Designglas um neue lackierte Glasprodukte erweitert: „Lacobel und Matelac 2020“ ist der Name des neuen Doppelsortiments lackierter Verglasungen. Wie im Namen bereits anklingt, sind die Designgläser in 20 verschiedenen Farben erhältlich. „Die Kombination glänzender und matter Glas-Oberflächen in aufeinander abgestimmten Farben verbreitert die Gestaltungsmöglichkeiten für Wände und Möbel im Interieur“, sagt Marc Everling, Leiter Marketing und Kommunikation bei AGC Interpane. Die neuen Farben finden sich in den Produktlinien „Classics“, „Trendies“ und „Exclusives“, die die Kombination mit Werkstoffen wie Holz, Stein oder Metall intuitiver gestalten sollen. Classics bietet zeitlose Farben wie „White Soft“ und „Black Classic“. Zu den Trendies gehören aktuell beliebte Naturfarben wie „Green Soft“, „Green Sage“ und „Red Terracotta“. Bei den Exclusives finden sich verspiegelte, metallische und subtil glitzernde Farbtöne, etwa „Lacobel Copper Metal“ und das auf „Matelac Brown Walnut“ abgestimmte „Lacobel Brown Starlight“. Architekten, Designer und Möbelhersteller könnten sich die Farben auch individuell konfigurieren lassen.

Auch die Firma Schollglas hat sich auf Designglas spezialisiert und bietet unter anderem mit „Gewe-art“ ein digital bedrucktes und pulverbeschichtetes Floatglas an, das mit 20 verschiedenen Motivvorgaben individuelle Design- und Farbgestaltungen ermöglicht. Gewe-art sei nicht nur pflegeleicht und kratzfest, sondern weise ebenfalls eine gute UV-Beständigkeit, eine hohe Abriebsfestigkeit und eine starke Beständigkeit gegen Kondenswasser auf. Somit könne es überall im Haus eingesetzt werden, etwa als Tisch oder Arbeitsplatte, Trennwand oder Wandverkleidung und sogar im Laden- und Messebau, heißt es bei Schollglas. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an der Optimierung seiner Veredelungstechnologien, um die Qualität der Produkte weiter zu verbessern und Produktionskosten zu senken. Glas im Innenausbau sei bereits wettbewerbsfähig mit anderen Werkstoffen, sagt Geschäftsführer Carsten Heuer. „Oberflächenveredelung, Sieb- und Digitaldruck, diverse Biegetechnologien sowie leistungsstarke und sehr flexibel einsetzbare Maschinen für die hocheffiziente Kantenbearbeitung innerhalb der Unternehmensgruppe ermöglichen heute neben einer Serienproduktion auch die wirtschaftliche Fertigung von individuellen Einzelstücken.“

Intelligentes Architekturglas bietet eine weitere Möglichkeit, Effekte im Zusammenspiel mit Licht, Brillanz und Transparenz zu schaffen. Die sogenannte Aled-Technologie des österreichischen Unternehmens Lightglass Technology ermöglicht ein entsprechendes Produkt, das allen technischen Anforderungen im Innen- und Außenbereich entspricht: Eine lichtleitende Ebene im Isolierglasverbund macht ein einfaches Fenster, eine Trennwand oder Fassade zur Lichtquelle. Die Technologie erlaubt nach Unternehmensangaben völlige Transparenz wie bei herkömmlichen Fenstern, als auch die vollkommen homogene und blendfreie Beleuchtung von Glas. Dabei reguliere sich das System automatisch gemäß der aktuellen Lichtsituation. Gesteuert und programmiert wird das Ganze über eine App oder über gängige Gebäudesteuerungen.

Auch Fassaden, die mit sogenannten elektrochromen Fenstern ausgestattet sind, haben Auswirkungen auf das Licht und damit auf die Stimmung in Räumen. Das Glas passt sich dank integrierter Nanopartikel automatisch den Lichtverhältnissen an und blockt Sonnenstrahlen ab, damit die Räume nicht zu sehr erhitzen und zu hell werden. Der deutsche Hersteller Econtrol-Glas etwa hat elektrochrome Scheiben entwickelt, deren Schaltzeit von der hellsten bis zur intensivsten Färbung 20 bis 25 Minuten betrage. Im gedimmten Zustand werde nur noch zwölf Prozent der Strahlung durchgelassen, der Rest reflektiere an den Partikeln. Econtrol-Glas hat in Europa bereits diverse Bürogebäude, Wohngebäude und öffentliche Gebäude mit schaltbarem Fensterglas ausgestattet.

Der deutsche Wissenschafts- und Technologiekonzern Merck verfolgt eine andere Variante von schaltbarem Glas. Er investiert 15 Millionen Euro in die Entwicklung und Produktion von Fensterscheiben, die noch schneller auf Lichtveränderungen reagieren sollen als vergleichbare schaltbare Glaslösungen. Dazu verwendet Merck eine Mischung aus Flüssigkristallen, die auch in Displays von Fernsehern, Laptops oder Smartphones eingesetzt werden. Die Technik erreiche zwei Effekte, sagt Martin Zitto, Business Development Manager bei Merck: Sie verdunkele das Glas als Sonnenschutz und lasse es opak, also undurchsichtig werden, um Privatsphäre zu gewährleisten. Auch wenn sich die technologische Basis von anderen schaltbaren Gläsern unterscheidet, ist die Funktionsweise von Flüssigkristallglas ähnlich: Die Mischung wird zwischen zwei miteinander verklebte Glasscheiben gefüllt. Durch Anlegen einer Spannung können die Kristalle in verschiedene Anordnungen gebracht werden. Je nach Anordnung fällt mehr oder weniger Licht durch die Schicht – die Fenster sind entweder durchsichtig oder undurchsichtig. Noch sind die Flüssigkristallscheiben allerdings nicht auf dem Markt verfügbar. Geplant ist, ihre Fertigung in einer neuen Produktionsanlage Ende 2017 zu starten.

Auf der glasstec 2016 in Düsseldorf, der weltweit größten und internationalsten Fachmesse der Glasbranche, können Unternehmen die Innovationen der Interieur- und Fassadenspezialisten vom 20.-23.09.2016 genauer betrachten und sich über die entscheidenden Trends informieren. Die Firma Lightglass etwa zeigt auf der Sonderschau „glass technology live“, die von der Universität Stuttgart organisiert wird, Beispiele für den Einsatz seiner Aled-Technologie im Wohn- und Firmengebäude. Im Fokus der Sonderschau stehen  dieses Jahr Gläser der Zukunft. Präsentiert werden unter anderem Neuheiten auf dem Gebiet der Anwendung elektrochromer Gläser, interaktiver Gläser als Träger von Informationen und Elektronik und Gläser mit besonderen Eigenschaften, darunter Gläser mit neuartigen Beschichtungen und selbstleuchtendes Glas.

Flankiert wird die Sonderschau glass technology live durch ein hochkarätig besetztes Fachsymposium mit Vorträgen und Präsentationen aus Forschung und Praxis. Bekannte Vertreter der Glasbranche sowie der Architektur und Wissenschaft zeigen an aktuellen, teils noch im Bau befindlichen Projekten die Vielfalt des Werkstoffs Glas auf. Abgerundet wird das Programm durch die Sonderschau „Materia“. Unter dem Motto „Great materials for great architecture“ werden im Rahmen dessen die neuesten Anwendungen, Produkte und Materialien für den Architektur-Sektor vorgestellt.

 

Bildunterschriften

Bild 1

Im Trend: Saint-Gobain Glass will mit seinem Design-Glas „Fluid“ neue Aktente in der Innenarchitektur setzen. Bild: Saint-Gobain Glass Deutschland

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Außergewöhnlich: Das Besondere an „Fluid“ ist seine dreidimensionale Wirkung. Dadurch suggeriert das Glas Materialtiefe und wird selbst zum Designobjekt. Bild: Saint-Gobain Glass Deutschland/Foto: Olaf Rohl

Bild 3

Edles Ambiente: Die Wandverkleidung „Lacobel Brown Starlight“ zählt zu AGC Interpanes neuem Sortiment lackierter Verglasungen. Bild: AGC Glass Europe

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Kaum sichtbar: Merck will Fenster mit Flüssigkristallen auf den Markt bringen, die in Sekundenschnelle von hell nach dunkel schalten und umgekehrt. Bild: Merck

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Bunte Glaswelt: Die Sonderschau „glass technology live“ wird auch dieses Jahr zahlreiche innovative Lösungen zur Innenausstattung von Gebäuden zeigen. Bild: Messe Düsseldorf

Die passenden Bilder zum Fachartikel finden Sie online unter:

www.glasstec.de > Presse Service > Pressematerial > Fachartikel (Navigation links), unter dem jeweiligen Text als ZIP-Download

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