Friederike-Fliedner-Haus, Kamp-Lintfort

Kreative Interpretation des dreieckigen Baugrundstücks: Straßenansicht und Eingangsbereich des Friederike-Fliedner-Hauses in Kamp-Lintfort.

Schwungvoll und transparent in den öffentlichen Raum

Viel Tageslicht und Transparenz in das Gebäude zu bringen, war ein wesentliches konzeptionelles Anliegen von Druschke und Grosser Architektur. Als 1. Preisträger des Architektenwettbewerbs gestaltete das Duisburger Architekturbüro den Erweiterungsbau einer Pflegeeinrichtung in Kamp-Lintfort mit viel Feingefühl für die Bedürfnisse der Bewohner, Besucher und Mitarbeiter. Das Café im Erdgeschoss, die zentralen Aufenthaltsbereiche mit Ausblick in den Wohngeschossen und Außenterrassen bieten attraktive Kommunikationsmöglichkeiten in einer hellen, offenen Atmosphäre. Großzügige Fensterelemente aus der Systemfamilie Schüco Corona CT 70 sowie eine spektakuläre Glasfuge als Verbindung zwischen Bestands- und Erweiterungsbau (Fassadensystem Schüco FW 50+) sind wichtige Stil- und Funktionselemente, mit denen ein freundliches Umfeld geschaffen wurde.

Die Bebauung im Zentrum Kamp-Lintforts ist geprägt durch hochwertige Backsteinarchitektur aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Christuskirche und die Zeche Friedrich Heinrich sind die prominentesten Gebäude in unmittelbarer Sichtweite der Pflegeeinrichtung. Eine stilistische Annäherung an Ziegel und Ziegelputz - traditionelle Baumaterialien in der Architektur von Kamp-Lintfort - erschien daher naheliegend und war auch seitens der Bauherren erwünscht. Zumal der Erweiterungsbau der Pflegeeinrichtung aufgrund der exponierten Lage im Kreuzungsbereich der zentrumsnahen Friedrich-Heinrich-Allee und der Ringstraße eine städtebaulich prägende Rolle einnimmt.

Grundstücksform kreativ interpretiert

Das Gebot der Integration in das Umfeld und der notwendigen Abstimmung mit dem Bestandsbau verstanden die Architekten als Herausforderung, den Neubau dennoch individuell darzustellen. Die Problematik, das vorgegebene Raumprogramm auf diesem sehr knapp bemessenen Grundstück zu realisieren, lösten die Architekten, indem sie die Wohngeschosse auskragen ließen. Ebenso wurde durch das Abrunden der Gebäudeform das dreieckig geschnittene Grundstück optimal ausgenutzt. Die auskragenden Obergeschosse mit den 36 Einzelzimmern und Aufenthaltsbereichen für die Bewohner verleihen dem Gebäude eine von außen sichtbare und im Inneren erlebbare Identität.

Demokratisch entwickelte Detaillösungen

Neben den spezifischen Anforderungen an das Raumkonzept, das Druschke und Grosser gemeinsam mit dem Bauherrn und Gebäudebetreiber Palaios entwickelte, wurden auch die Vorstellungen der Pflegedienstleiterin der Pflegeeinrichtung sowie des Pflegepersonals integriert. So entwickelte man u. a.  bei der Material- und Farbauswahl für die Innenraumgestaltung sowie bei der Auswahl des Mobiliars kooperativ ein stimmiges Gesamtkonzept. Was das äußere Erscheinungsbild des Erweiterungsbaus angeht, koordinierten sich die Architekten zusätzlich mit dem von der Stadt Kamp-Lintfort eingesetzten Gestaltungsbeirat. Komplex und konstruktiv sei dieser Prozess gewesen, so Architektin Bibiana Grosser, und er habe "über manch kreativen Kompromiss zu guten und am Ende allseits überzeugenden Lösungen geführt".

Raumaufteilung orientiert sich am "Drei-Welten-Modell"

Das Gebäudekonzept integriert in Gliederung und Raumaufteilung die graduell unterschiedlichen Pflegebedürfnisse von Demenz-Kranken, so wie sie in dem Schweizer "3-Welten-Modell" beschrieben werden. Diese neuen und akzeptierten Betreuungsmodelle teilen die Krankheitsstadien, die von allen Demenz-Patienten durchlaufen werden, in drei Welten ein. Durch die bauliche und organisatorische Berücksichtigung dieser Einteilung ist es möglich, deutlich individueller auf die spezifischen Bedürfnisse der Bewohner einzugehen, als dies bei einer Gleichbehandlung der Stadien möglich ist. Räumlich stellt sich die Individualisierung u. a. durch ein variables Raumangebot dar, das Wohngruppen für Patienten der ersten Welt und Einzelzimmer für Bewohner im fortgeschrittenen Krankheitsstadium (zweite Welt) bereithält. Die rein palliative Behandlung der bettlägerigen Bewohner der dritten Welt wurde in das Raumkonzept für die ersten beiden Welten integriert.

Geschäftsführer Ralph Simon und Pflegedienstleiterin Barbara Maslewski sind von den Vorteilen der räumlichen Umsetzung dieses Modells für Patienten und Pflegepersonal überzeugt: "Wir stellen sowohl eine gesteigerte Akzeptanz der durchdacht gestalteten Räumlichkeiten als auch eine bessere Akzeptanz der einzelnen Bewohner untereinander fest. Das individualisierte Umfeld macht sich durch gesteigertes Wohlbefinden und eine generell ruhigere, friedvolle Atmosphäre bemerkbar, die die Pflegequalität deutlich erhöht."

Große Fenster für Ein- und Ausblicke

Reichlicher Tageslichteinfall und gemeinsam genutzte Aufenthaltszonen, die Ein- und Ausblicke ermöglichen, leisten einen Beitrag zum Wohlbefinden der Bewohner des Friederike-Fliedner-Hauses. Neben dem großen Café im Erdgeschoss, dem gemeinsamen Ess- und Aufenthaltsbereich für Bewohner und Besucher, ist das „Schaufenster" in allen drei Wohngeschossen besonders beliebt. Beide Bereiche ermöglichen aufgrund großzügiger, den Brüstungsbereich einschließender Fensterelemente die Sicht auf die belebte innerstädtische Kreuzung und stellen eine Verbindung zwischen Innen- und Außenwelt dar.

Die komplette Fassade wurde mit großzügigen, bis in Bodennähe reichenden Elementen des Kunststoff-Fenstersystems Schüco Corona CT 70 realisiert. Eine Besonderheit stellt die Folierung der äußeren Profilansichten in Holzoptik dar. Bei der Verglasung wählte man einen Dreifach-Isolierglasaufbau, der zugleich Schall-, Wärme- und Sonnenschutz optimiert. Der Verzicht auf Querriegel im Brüstungsbereich konnte durch vorgesetzte ESG-Brüstungen für die Absturzsicherung gemäß TRAV kompensiert werden.

Glasfassade für die Verbindungsspange

Besonders elegant und transparent wurde die Verbindung zwischen Altbau und Neubau umgesetzt. Hier bildet eine gläserne Verbindungsspange auf vier Ebenen ein stilistisch neutrales Element zwischen den Baustilen beider Gebäude und ermöglicht aufgrund der durchgängigen Verglasung Ausblicke auf die beiderseits angrenzenden Fassaden. Realisiert wurde die Glasfuge mit dem Fassadensystem Schüco FW 50+, das seine breite Kompatibilität mit anderen Schüco Systemen durch die Kombination mit den zu Lüftungszwecken öffenbaren Einsatzelementen Schüco AWS 75 aufweist. Darüber hinaus konnte ein optisch nahtloser Bauteilanschluss zwischen dem Fassadensystem und den EI30-Feuerschutzabschlüssen an den Treppenraumzugängen (Schüco ADS 80 FR30) realisiert werden.

Quelle: Schüco International KG