27/05/2014

Renommierter Geowissenschaftler ausgezeichnet für wegweisende Arbeiten über vulkanische Gläser

Professor Donald Bruce Dingwell ist Preisträger des mit 25.000 Euro dotierten und mittlerweile zum 13. Mal verliehenen Otto-Schott-Forschungspreises. Der gebürtige Kanadier und experimentelle Vulkanologe leitet seit 2000 den Lehrstuhl für Mineralogie und Petrologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), München, und ist Direktor am dortigen Department für Geo- und Umweltwissenschaften. Die Auszeichnung erhielt Dingwell für seine langjährige Forschungsarbeit auf dem Gebiet der physikalischen und chemischen Eigenschaften vulkanischer Gläser. „Die Arbeiten zur Glasbildung unter extremen Bedingungen, wie sie bei vulkanischer Aktivität auftreten, liefern wertvolle Erkenntnisse für die industrielle Glasschmelze“, so Dr. Hans-Joachim Konz, Vorsitzender des Kuratoriums des Ernst-Abbe-Fonds und Vorstandsmitglied der SCHOTT AG bei der Preisverleihung im Rahmen einer internationalen glastechnischen Tagung in Aachen.

Professor Dingwells Forschung konzentriert sich auf Schmelzen und Gläser in geologischen Prozessen. In seinen Arbeiten hat er die entscheidende Rolle des Glasübergangs im explosiven Vulkanismus bewiesen. Damit gilt er als ein Pionier in der Quantifizierung von thermodynamischen Eigenschaften und Transportphänomenen geschmolzener Silikate, sowohl in einfachen als auch komplexen Zusammensetzungen. Dingwell und seinem Team ist es zu verdanken, dass die experimentelle Vulkanologie dieses hohe Niveau erreicht hat: Unzählige wissenschaftliche Veröffentlichungen zeugen davon, mit welcher Akribie Daten gesammelt und ausgewertet wurden. Und die akademische Gemeinschaft profitiert – Dingwell zählt zu den weltweit am meisten zitierten Autoren seiner Disziplin. Inzwischen nutzen nicht nur Vulkanologen und Geowissenschaftler, sondern auch Glas-Ingenieure und –entwickler das umfangreiche Datenmaterial und daraus abgeleitete Formeln, um aus der Zusammensetzung und Struktur eines Glases Eigenschaften abzuleiten. Vor diesem Hintergrund würdigte Kuratoriumsmitglied und Laudator Professor Carlo Pantano die Verdienste des Preisträgers: „Professor Donald B. Dingwell ist ein hervorragender Wissenschaftler, dessen Arbeit über die thermomechanischen Eigenschaften von Silikatgläsern und –schmelzen erhebliche Auswirkungen in den Geowissenschaften, der Glaswissenschaft und der -technik haben. Mehr als 300 Artikel über die Wasserlöslichkeit in Schmelzen, die Effekte der Glaszusammensetzung auf Viskosität und thermische Ausdehnung, sowie die viskoelastische Reaktion bei einfachen und komplexen Gläsern wurden veröffentlicht. Diese grundlegenden Erkenntnisse haben auch zu einem besseren Verständnis beim Schmelzen und Formen von Industriegläsern beigetragen.“

Dingwell startete seine wissenschaftliche Karriere in den späten 1970er Jahren mit dem Studium der Physik und Chemie.1984 erlangte er an der University of Alberta, Edmonton (Kanada) den Doktorgrad (Ph.D) in Geologie und dissertierte über „Fluor in Silikatschmelzen und dessen Bedeutung in der magmatischen Petrogenese“. 1992 habilitierte er sich an der Universität Bayreuth (Deutschland) über das Thema „Relaxation und Fließverhalten“. Gastprofessuren führten ihn u.a. an die Stanford University und das California Institute of Technology. Von 2011 bis 2013 fungierte der Geowissenschaftler als Generalsekretär des ERC (European Research Council). 2014 wurde er in das Executive Committee des Deep Carbon Observatoriums (DCO) und in den Vorstand der Academia Europaea berufen. 2013 erhielt Donald Dingwell das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, u.a. für sein „energisches und beständiges Wirken“ für die Geowissenschaften an der LMU München. Der renommierte Wissenschaftler pflegt zugleich den offenen und regen Dialog zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft, was bei den Vulkanasche-Ereignissen im April 2010 zum Ausdruck kam, als Dingwell in den Medien als Top-Experte allgemeinverständlich über die komplexen Sachverhalte informierte.

Der Otto-Schott-Forschungspreis wird alle zwei Jahre durch den Ernst Abbe-Fonds verliehen für hervorragende Leistungen in Grundlagenforschung und Technologieentwicklung im Bereich Glas- und Glaskeramikwissenschaften für die Anwendungsfelder Optik und Elektronik, erneuerbare Energien, Gesundheit und Lifestyle.

Der Preis, der zugleich auch die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie fördern soll, wurde erstmals 1991 vergeben. Prämiert werden in Anerkennung ihrer besonderen Leistungen sowohl Einzelpersonen als auch kleine Teams. Zu den bisherigen Preisträgern zählen neben Physikern und Chemikern aus Deutschland auch Wissenschaftler aus den USA, Russland, Japan, China und dem europäischen Ausland.


Quelle: Schott AG/schott.com