20/02/2013

Saint-Gobain: Wie Schuppen von den Augen

Examen bestanden: Gelungene Ästhetik und Raumakustik im Uni-Hörsaal

Moderne Ästhetik und eine zeitgemäße Raumakustik in historischem Ambiente – so ließe sich grob das Ausbauobjekt umschreiben, das im Rahmen der Rigips Trophy ´11 das Siegertreppchen im Leistungsbereich Akustiksysteme erklimmen konnte. In der altehrwürdigen Humboldt-Universität zu Berlin sollte im Zuge einer umfassenden Sanierung auch der Hörsaal der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät modernisiert und gleichermaßen optisch wie akustisch aufgewertet werden. Der Auftrag dafür ging an die Möbel Damm GmbH aus dem nahen Templin.

Die meisten Gebäude der 1809 gegründeten Berliner Universität (die 1949 in „Humboldt-Universität“ umbenannt wurde) befinden sich in Berlin-Mitte, so auch die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät in der Spandauer Straße. Für die umfassende Modernisierung des Hörsaales 202 entwickelten die Architekten Hüffer.Ramin unter Berücksichtigung des schief-winkligen Grundrisses und der Form des Daches ein räumliches Konzept mit einer gebogenen und in Schuppen gegliederten Decke, die die radiale Anordnung der Bestuhlung reflektiert. Im Rahmen der Vergabe der Trockenbauarbeiten wurden aufgrund der besonderen technischen Anforderungen drei Bieter aufgefordert, einen Ausschnitt der Schuppendecke mit Unterkonstruktion im Maßstab 1:1 zu bauen.

Begeistert zeigten sich Architekten und Bauherr von der praktischen Umsetzung des architektonischen Entwurfes durch die Trockenbauprofis aus Templin. „Nach der Vorstellung unserer Ideen zur Ausführung der Raum- und Deckenkonstruktionen erhielten wir den Auftrag für den kompletten trockenen Innenausbau. Wir haben dann unmittelbar mit der Erstellung von Werkzeichnungen begonnen, nach denen Schablonen im Maßstab eins zu eins gefertigt wurden, die zur Herstellung der Spanten-Unterkonstruktion dienten. Auf diesen Planungszeichnungen baute die gesamte Decken- und Wandkonstruktion auf“, erinnert sich Detlef Damm, Geschäftsführer der Möbel Damm GmbH.

Aufwändige Unterkonstruktion exakt ausgerichtet

An der Deckenunterkonstruktion wurde an zwei Orten gearbeitet: Während Detlef Damm und sein Team damit begannen, Weitspannträger an der Rohdecke zu befestigen, machte sich parallel eine Schlosserei an die Fertigung der aus Kastenrohren (25 mm x 25 mm) bestehenden Spanten nach den Plänen von Möbel Damm. „Teile der Rohdecke bestanden aus Stahlsteinen, andere aus Ortbeton. Mit den Weitspannträgern haben wir erst einmal eine zuverlässig lasttragende Grundlage geschaffen. Mittels Noniusabhängern wurden anschließend die Spanten zwischen 650 und 2.000 mm tief abgehangen.“

Betrachtet man die Spantenkonstruktion, so wird schnell deutlich, wie entscheidend die gute planerische Vorarbeit und die Werkzeichnungen des Trockenbauteams waren: Die einzelnen Spanten verfügten nicht nur über unterschiedliche Maße und Biegeradien, sondern mussten auch äußerst exakt ausgerichtet und befestigt werden, um die Radialausrichtung der Schuppen zum später errichteten Dozentenpult hin sicherzustellen. Hierzu wurde der Grundriss als Aufriss auf dem installierten Flächengerüst angelegt.

Reflektierende Schuppe, absorbierender Spalt

Mit Ankerhängern wurden in einem nächsten Arbeitsschritt CD-Profile an den Spanten befestigt. Die Beplankung der Profile erfolgte dann doppellagig mit biegsamen „GK-Form“-Platten (6 mm) von Rigips. So entstanden insgesamt 15 dreidimensional konkav gewölbte Einzeldeckenfelder von unterschiedlicher Größe, die schuppenförmig übereinander angeordnet und dreiseitig überlappend montiert wurden. „Jede dieser Schuppen war in Größe und Ausrichtung eine absolute Einzelanfertigung. Das kleinste Deckenfeld ist 8,76 m², das größte 51,24 m² groß und rund 860 kg schwer. Raumakustisch wirken die glatten ,GK-Form’-Platten schallreflektierend. Die Schallabsorption erfolgt über die Spalten zwischen den einzelnen Deckenfeldern. Hier überlappen sich die einzelnen Schuppen um circa 400 mm. Die freien Kanten erhielten eine 50 mm breite Aufkantung sowie einen rund 200 mm weit zurückliegend eingesetzten, senkrechten Schallabsorber aus Mineralwolle, der mit weißem Akustikvlies belegt wurde“, erläutert Detlef Damm die Konstruktion.

Illuminierte Linienführung

Gerade die Aufkantungen tragen wesentlich zu dem heute raumprägenden Charakter der Schuppendecke bei, denn sie verbergen die indirekte Beleuchtung. Unter anderem die so erzielte Betonung der raumakustisch wirksamen Elemente war es, die die Fachjury der Rigips Trophy begeisterte. Zur handwerklichen Herausforderung für das Ausbauteam wurde der Einbau der direkten Beleuchtung. „In die einzelnen Deckenfelder sollten jeweils ein bis fünf Strahler eingebaut werden. Durch die konkave Biegung konnten wir die runden Lampenausschnitte nicht einfach mit Schablonen erstellen. Sie mussten aus dem Grundriss lotrecht eingemessen und an die Decke projiziert werden. Nur so konnte sichergestellt werden, dass das Licht der Strahler auch genau auf die Sitzreihen gelenkt wird. Beim Lampenausschnitt selbst war viel Augenmaß und sehr genaues Arbeiten gefragt, um nicht unbewusst doch eine leichte Ellipsenform zu schneiden.“

Vorsatzschalen steuern die Raumakustik

Die Schuppendecke endet in einem etwa drei Grad in Richtung des Auditoriums geneigten, schallreflektierenden Deckensegel aus „Rigips Bauplatten RB“ 12,5 mm über dem Dozentenpult. Die Raumhöhe beträgt hier knapp 9,60 m. An den Wandflächen wurden umlaufend rund 250 m² Vorsatzschalen mit hinterlegter Mineralfaserdämmung teils aus glatten, schallreflektierenden Gipsplatten, teils aus schallabsorbierenden Lochplatten („Rigiton Air 8/18“) in unterschiedlichen Wandabständen errichtet. Die Verspachtelung und Oberflächenbehandlung erfolgte in Q 3 mit dem Fertigspachtel „ProMix Plus“ von Rigips.

„Im hinteren Saalbereich und an den Seiten erwachsen die einzelnen Felder der Schuppendecke aus diesen Vorsatzschalen. Das gibt dem Ganzen einen sehr fließenden, harmonischen Eindruck“, so der Trockenbauprofi. Eine Harmonie, die im fertigen Zustand so leicht und selbstverständlich wirkt, von Detlef Damm und seinem Team jedoch zu jedem Zeitpunkt hohe Konzentration forderte. „Kein Deckenfeld glich dem anderen, die Bestuhlung und die Anordnung des Dozentenpults ließen keine Toleranzen in der Decken- und Wandausbildung zu. Und das alles musste in einem schiefwinkligen Raum eingemessen und exakt montiert werden. Herausforderungen, die wir auch durch die meiner Meinung nach vorbildliche Zusammenarbeit mit den Architekten erfolgreich gemeistert haben.“

Beste Sprachverständlichkeit im Lehrbetrieb

Dieser Meinung war auch die Jury der Rigips Trophy: Sie lobte das Trockenbauteam sowohl für die gezeigten handwerklichen Fertigkeiten als auch für die perfekte Umsetzung einer Gestaltungsidee. Die Linienführung, die Kombination aus indirekter und direkter Beleuchtung sowie die sauber ausgeführten Überlappungen der Deckenfelder prägen die Ästhetik des neuen Hörsaals. Und dass die raumakustischen Qualitäten der beeindruckenden Optik in nichts nachstehen, zeigten schon die ersten Vorlesungen im neuen Hörsaal. „Sowohl unverstärkt ohne Mikrofon als auch über die eingebaute Lautsprecheranlage ergibt sich eine optimale Sprachverständlichkeit, sodass auf eine nachträgliche Messung der Nachhallzeiten ohne Bedenken verzichtet werden konnte“, berichtet Detlef Damm.

Im Juni 2012 konnten sich er und sein Team über eine weitere Anerkennung ihrer Handwerkskunst freuen: In London überzeugte die Möbel Damm GmbH die Jury der Saint-Gobain Gypsum International Trophy und erzielte den zweiten Platz in der Kategorie „Segment Solutions“. Das Ausbauprojekt behauptete sich damit auch auf internationaler Bühne und im direkten Vergleich mit 65 weiteren Teilnehmerobjekten aus insgesamt 28 Ländern.

Bautafel

Bauherr: Humboldt-Universität zu Berlin
Planung: Hüffer.Ramin Architekten, Berlin
Trockenbau: Möbel Damm GmbH, Templin
Fachberater Trockenbausysteme: Michael Zettelmann, Frank Neumann, Saint-Gobain Rigips GmbH

Quelle: Saint-Gobain Rigips GmbH /saint-gobain.de