08.10.2012

VDMA Forum Glastechnik

VDMA Glastechnik: Mit BlueCompetence die Nase vorn im Wettbewerb

Mit der neuen Strahlertechnologie von Bystronic glass können bei der Herstellung von Verbundsicherheitsglas 50 Prozent der Energiekosten eingespart werden, Foto: Bystronic glass
Frankfurt/Main, 10. Juli 2012 – "Nachhaltigkeit" wird von der deutschen Glasmaschinenindustrie tatkräftig mit Leben erfüllt. Das zeigt die große Resonanz auf das vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau kreierte Markenzeichen BlueCompetence. Schon jetzt haben mehr als ein Dutzend Hersteller Interesse gezeigt. Etwa die Hälfte von ihnen hat sich bereits qualifiziert.

"Wir können uns und unseren Kunden damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen", sagt Dominik Hinzen. Was der Marketingleiter der Bohle Gruppe meint, ist die vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ins Leben gerufene Initiative BlueCompetence. Unternehmen, die das Label tragen, zeichnen sich dadurch aus, dass Nachhaltigkeit in allen ihren Geschäfts- und Tätigkeitsbereichen eine gewichtige Rolle spielt. Die Bohle Gruppe, einer der führenden Hersteller und Großhändler von Maschinen, Werkzeugen, und Verbrauchsmaterialien für die Glasbearbeitung und –veredelung, hat sich für diese Auszeichnung qualifiziert. Marketingleiter Hinzen sieht in BlueCompetence eine "sinnvolle Initiative". Nachhaltigkeit und damit auch Umweltschutz sind für ihn "gute Verkaufsargumente". Das gelte nicht nur in Deutschland und Europa, sondern zunehmend auch in anderen Teilen der Welt.

95 Prozent weniger Stromverbrauch
Als Fallbeispiel, das für die Qualifizierung nötig war, hatte Bohle seine Sedimentoren zur Kühlwasseraufbereitung angegeben. Gegenüber den sonst oft verwendeten Schälzentrifugen lassen sich mit ihnen nicht nur bis zu 95 Prozent der Strom- und 85 Prozent der Abwasserkosten sparen. Auch der Bedarf an Kühlmittel und damit vor allem wertvollem Frischwasser wird um bis zu 90 Prozent gesenkt. Während Anlagen, die ohne ein Reinigungssystem arbeiten, meist wöchentlich geleert, anschließend gesäubert und dann wieder mit Frischwasser aufgefüllt werden, müssen die Sedimentoren von Bohle durchschnittlich nur viermal im Jahr abgeschaltet und gereinigt werden. In der übrigen Zeit, so Hinzen, laufe auf der Anlage ein kontinuierlicher Prozess. Das verschmutzte Wasser wird in einen zylinderförmigen Behälter geleitet, der sich im unteren Bereich zuspitzt. Je nach Bedarf wird dem Schmutzwasser ein spezielles Flockungsmittel zugegeben, das Glaspartikel bindet und anschließend im Behälter nach unten in den Absetzbereich sinkt. Ist er gefüllt, wird der Schlamm automatisch durch ein Ventil abgelassen. Das gesäuberte Systemwasser fließt anschließend in den Kreislauf zurück. Der Durchsatz liegt, je nach Anlage, zwischen 50 und 280 Liter in der Minute.

Neue Strahlertechnologie spart Energie
Für Peter Nischwitz, der bei Bystronic glass die Bereiche Werbung und Kommunikation verantwortet, ist BlueCompetence "ein weiterer Mosaikstein für ein positives Markenimage". Den Abnehmern werde gezeigt, dass das Unternehmen mit seinen Produkten einen positiven Beitrag auch zum Umweltschutz leiste. Bei Bystronic glass spiele der Bereich Nachhaltigkeit schon seit Jahren eine immer größere Rolle. Als Fallbeispiel hat das Unternehmen, das Maschinen und Anlagen zur Glasverarbeitung herstellt, die von ihm entwickelte und produzierte eco`lamiline angegeben. Mit ihr lassen sich praktisch alle Arten von Verbundsicherheitsglas (VSG) energiesparend und schnell herstellen. Das Herzstück der Anlage ist der Vorverbund eco`convect und dort speziell die Strahlertechnologie mit der das Paket aus Glas und Folien aufgeheizt wird. Die Infrarotstrahler sind in der Mitte geteilt, wobei sich jeder der beiden Teile einzeln ein- und ausschalten lässt. Wird aufgrund geringerer Glasbreite nur ein Teil des Strahlers gebraucht, kann der andere komplett abgeschaltet werden. Gegenüber herkömmlichen Technologien, bei denen das nicht möglich ist, werden so glatt 50 Prozent der Energiekosten eingespart. Hinzu kommt, dass bei der Konstruktion des Übersetzers, mit dem das Glas in den Reinraum transportiert wird, anstelle der sonst üblichen großen Druckluftzylinder Servotechnik eingesetzt wird. Der Druckluftverbrauch soll dadurch um bis zu 30 Prozent reduziert werden können.

Lebensdauer bis zu 15 Jahren
Um weniger Verbrauch, in diesem Falle von Strom, geht es auch bei dem von Grenzebach für seine Qualifizierung angeführten Beispiel. Der Glasmaschinen-hersteller rüstet seine Maschinen und Anlagen serienmäßig nicht nur mit energiesparenden Frequenzumrichtern, sondern seit kurzem auch mit SINAMICS – Aktive Line Modulen (ALM) von Siemens aus. Sie leiten die bisher ungenutzte Energie, die beim Abbremsen von Elektromotoren entsteht, in einen Zwischenkreis, wo sie gepuffert wird und allen Maschinen im Verbund zur Verfügung steht. Ist im Zwischenkreis mehr Energie vorhanden als gebraucht wird, kann sie problemlos in das Betriebsnetz eingespeist werden. Antriebe, die sich nicht für den Einbau von AL-Modulen eignen, will Grenzebach in Zukunft mit speziellen Kondensatormodulen ausrüsten, die ebenfalls dafür sorgen, dass die Bremsenergie gespeichert und anschließend wieder genutzt werden kann. "Unsere Fertigungsanlagen", so eine Unternehmenssprecherin "haben eine Lebenddauer von bis zu 15 Jahren." Auch das sei Teil der Nachhaltigkeitsstrategie, die Grenzebach nicht nur für sich, sondern vor allem für seine Abnehmer verfolge.

Weitere Informationen zu BlueCompetence: www.bluecompetence.net