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Der Strom, der aus der Wüste kommt
22.06.2009
Das Projekt, Solarenergie in Nordafrika zu gewinnen, ist nicht unumstritten. Aber es führt kein Weg daran vorbei. Die technologischen Möglichkeiten sind jedenfalls immens.
In der vergangenen Woche wurde ein visionäres Projekt vorgestellt. Es soll 20 bis 25 Prozent des europäischen Stromverbrauchs in sonnenreichen Gegenden in Nordafrika und dem Nahen Osten herstellen. Eine Investitionssumme von mehr als 400 Milliarden Euro erscheint heute gar nicht mehr so gigantisch, mit Unterstützung der Münchener Rück ist diese Summe auch finanzierbar.
Der Kern von „Desertec“ ist der Bau eines europäischen Stromverbundnetzes aus Hochspannungs-Gleichstromübertragungsleitungen, die es erlauben, Solarstrom aus der Sahara mit Windstrom aus Nordeuropa sowie der Wasserkraft aus Skandinavien und der Alpenregion zu vernetzen. Die Technologie dazu ist bereits vorhanden, Siemens ist einer der Technologieführer und bereits an Projekten in China und der Nordsee beteiligt.
Widerstand formiert sich
Dieses unterstützenswerte Vorhaben erzeugte unerwarteten und höchst bedauerlichen Widerstand aus einigen Kreisen der Solargemeinde, besonders von der von Hermann Scheer geleiteten Eurosolar. Dort wird die Befürchtung geäußert, dass dadurch eventuell der Ausbau der Fotovoltaik (FV) in Deutschland gefährdet wird. In den vergangenen fünf Jahren kam es zu einer weltweit bewunderten, stürmischen Entwicklung der Fotovoltaikindustrie einschließlich der FV-Ausrüsterindustrie in Europa, besonders aber in Deutschland. Ich teile diese Befürchtungen nicht.
Neben Politikern der Grünen und der SPD zeigen auch konservative und liberale Politiker wie Katherina Reiche (CDU), Wirtschaftsminister zu Guttenberg (CSU) und Cornelia Pieper (FDP) eine grundlegende Einsicht in die großen, auch ökonomischen Vorteile, die Deutschland in den nächsten Jahrzehnten durch die konsequente Förderung der erneuerbaren Energien haben wird – auch was die Beschäftigungszahlen anbelangt.
Fotovoltaik - die Technologie der Zukunft
Die erfolgreichste Technologie wird die Fotovoltaik sein, die in der weltweiten Produktion allein von 2007 auf 2008 um über einhundert Prozent wuchs, auf eine jährliche Weltproduktion von mehr als fünf Gigawatt. Fotovoltaik ist heute noch die teuerste aller erneuerbaren Energien, aber als Halbleitertechnologie realisiert sie rasche Kostensenkungen mit schnellen Erhöhungen des Produktionsvolumens. Bereits in weniger als fünf Jahren wird dieser Solarstrom in Deutschland preisgünstiger sein als der Haushaltsstrompreis und FV-Solarstrom aus der Wüste etwa halb so teuer. In weiteren zehn Jahren wird Solarstrom per Fotovoltaik aus der Wüste preisgünstiger werden als Strom aus fossilen Quellen.
Strom aus Solarthermie, der besonders für das Projekt „Desertec“ eingeplant wird, hat den Vorteil, dass er leicht zu speichern ist. Daher erwarte ich, dass auch in der Wüste Solarthermieanlagen mit Speicher den Sonnenstrom für die Nacht gewinnen, und tagsüber Fotovoltaikanlagen preiswerter als Solarthermie den Sonnenstrom für den direkten Verbrauch produzieren. Die von unserem Fraunhofer-Institut ISE in Freiburg entwickelte Weltrekordsolarzelle mit 41,1 Prozent Effizienz kann dazu einen Beitrag liefern. Die Förderung auf europäischer Ebene (Europäisches Energie-Gesetz) muss also weitergehen, damit „Desertec“ die nötigen Geldmittel erhält. Dies sollte die Unterstützung aller um die Zukunft unseres Planeten besorgten Menschen finden.
Quelle: Welt.de









