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Solon im Tal der Finsternis

22.02.2010

Das Berliner Solarunternehmen Solon SE (WKN: 747119) steckt weiter in der Krise. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise und des anhaltenden Preisverfalls bei Solarmodulen musste das Unternehmen das Jahr 2009 mit tiefroten Zahlen beenden. Während sich der Umsatz auf Jahressicht halbierte, entstand ein Jahresfehlbetrag von 195 Mio. Euro.

Bund beschließt Kürzung der Solarförderung zum 1. Juli
Zwar hat das Unternehmen im Schlussquartal von einer wieder anziehenden Nachfrage nach solaren Dachanlagen profitiert, dieser Nachfrageboom könnte jedoch nur von kurzer Dauer sein. Wie die Koalition gestern beschlossen hat, sollen die Subventionen für Dachanlagen zum 1. Juli um 16 Prozent sinken. Die Förderung für Freiflächen soll um 15 Prozent sinken, wobei die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen sogar gänzlich wegfallen soll.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sieht in der Verschiebung keine substantielle Hilfe für die Branche, wie BSW-Solar Geschäftsführer Carsten Körnig durchblicken lässt. Beim Solarverband sieht man daher auch eine Pleitewelle auf die Branche zurollen. Auch Marktbeobachter und Analysten erwarten einen massiven Stellenabbau in der Branche, zumal die deutschen Anbieter gegen die Konkurrenz aus Asien nicht wirklich wettbewerbsfähig sind.

Verbraucherschützer rechnen nunmehr damit, dass es insbesondere im zweiten Halbjahr 2010 zu einem weiteren Preisverfall in der Branche kommen wird und warnen Investoren davor, sich jetzt noch schnell überteuerte Anlagen aufs Dach bauen zu lassen, um die höhere Förderung zu kassieren.

Deutsche Anbieter gelten als nicht mehr wettbewerbsfähig
Marktbeobachter glauben dennoch, dass sich die starke Nachfrage nach Solar-Aufdachanlagen im vierten Quartal noch bis zum ersten Halbjahr getrieben durch Last-Minute-Investoren fortsetzen wird. Anschließend wird mit einem ähnlichen Einbruch der Nachfrage wie nachdem Auslaufen der Abwrackprämie in der Autobranche gerechnet.

Offen bleibt, inwieweit Hersteller wie Solon den Nachfragerückgang auffangen können. Beim Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bewertet man die Kostenstruktur und die Finanzierungsmöglichkeiten der deutschen Anbieter gegenüber der asiatischen Konkurrenz als unterlegen. Die einheimischen Anbieter dürften hier nur schwer mit der Konkurrenz aus China & Co mithalten können, heißt es. Für Solon könnten dann schon im zweiten Halbjahr dunkle Zeiten anbrechen, sollte es dem Unternehmen nicht gelingen, seine Kostenstruktur nachhaltig zu verbessern…

Kurzportrait

Die im Jahre 1997 gegründete und in Berlin ansässige Solon SE gilt als einer der führenden Solartechnikanbieter in Deutschland. Das Unternehmen war mit seinem Börsengang im Jahre 1998 das erste an der Börse notierte Solarunternehmen.

Heute bietet das Unternehmen nicht nur Solarmodule und Wechselrichter an, sondern ist auch beim Bau von Solarkraftwerken engagiert. Solon ist mit entsprechenden Tochterfirmen in Deutschland, Österreich (Solon Hilber Technologie GmbH, Solon Mover), Italien (Solon S.p.A.), in den USA (Solon Corporation) und in der Schweiz (Solon Inverters AG) präsent. Gleichzeitig ist Solon an der französischen Silicium de Provence (SilPro) beteiligt. Die Produktion von Solarmodulen wird über die beiden Tochterfirmen Solon PV GmbH in Berlin und der Solon Nord GmbH abgewickelt. Die Projektierung von Solargroßkraftwerken erfolgt über die Tochter Solon Solar Investments GmbH.

Die Solon-Tochter HTC GmbH hat sich auf die Realisierung von Solarkraftwerken spezialisiert. Dazu zählen auch die Konzeption und die Entwicklung von solaren Großkraftwerken, wo das Unternehmen durch Solon Solar Investments vertreten ist. Im Bereich der Systemtechnologie ist das Unternehmen über die Schweizer Tochter asp AG am Markt präsent, die auch Wechselrichter herstellt.

Zuletzt expandierte Solon verstärkt im Ausland, wobei im Jahr 2007 19 Prozent an dem australischen Unternehmen CBD Energy Ltd erworben wurden. Nachdem sich Solon an der österreichischen Blue Chip Energy beteiligt hatte, erhöhte der deutsche Solarspezialist Ende 2007 seine Beteiligung an der Blue Chip Energy von 19 auf 47 Prozent. Ende Dezember 2008 übernahm Solon die italienische Estelux s.r.l.

Zuletzt beschäftigte die Solon AG mehr als 900 Mitarbeiter und kann dabei auf eine Jahresproduktionskapazität von über 400 MWp verweisen und gilt damit als einer der größten Hersteller von Solarmodulen in Deutschland.

Zahlen

Für das Gesamtjahr 2009 meldet Solon einen Umsatzrückgang auf 354 Mio. Euro. Dies entspricht einem Einbruch um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 815 Mio. Euro. Auf der Ertragsseite sieht der Geschäftsverlauf ähnlich düster aus. So sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von plus 58 Mio. in 2008 auf minus 195 Mio. Euro in 2009. Ebenfalls tief in den roten Zahlen lag das Konzernergebnis nach Minderheiten. Hier fiel der Wert auf minus 276 Mio. Euro, nachdem im Vorjahr noch ein positives Ergebnis von 33 Mio. Euro eingefahren worden war.

Je Aktie gerechnet lag das Ergebnis der Solon SE bei minus 22,00 Euro. 2008 hatte das Unternehmen noch einen positiven Gewinn je Aktie von 2,61 Euro erwirtschaftet.

Solon erklärte den Verlust mit massiven Sondereffekten, darunter Wertberichtigungen auf Finanzanlagen und Vermögenswerte von Tochtergesellschaften im Umfang von 122 Mio. Euro. Weitere 60 Mio. Euro sollen auf Abschreibungen auf Vorräte entfallen. Diese seien Konsequenz eines 30-prozentigen Preisrückganges in 2009 gewesen. Insgesamt sei das Jahr 2009 nur eine Stagnation der weltweiten Nachfrage geprägt gewesen. Allerdings habe sich im vierten Quartal bereits eine Erholung abgezeichnet, dies gelte insbesondere für den deutschen Endkundenmarkt. Das Segment Kraftwerkstechnik habe nach guten Vorjahren in 2009 einen massiven Einbruch erlebt, hieß es.

Den schwachen Umsatz- und Ergebniszahlen setzte Solon einen Rückbau der Nettoverschuldung entgegen. Diese konnte von 379 Mio. Euro in 2008 auf 345 Mio. in 2009 zurückgefahren werden. Zudem gelang beim operativen Cashflow der Sprung aus den roten Zahlen. Hatte Solon in 2008 noch einen Cashflow von minus 88,9 Mio. Euro verzeichnet, meldete das Unternehmen für 2009 einen Wert von plus 90 Mio. Euro.

Markt und Wettbewerb

Bereits im Jahr 2017 wird nach Schätzungen der Weltbank ein Marktvolumen für Solar-Energiesysteme von 100 Mrd. überschritten. Bis 2010 erwartet die Bank Sarasin jährliche Wachstumsraten von 50 Prozent weltweit in der Photovoltaik-Branche.

Solon steht mit seinem Angebot an Solarmodulen in direkter Konkurrenz zum deutschen Branchenprimus SolarWorld. Nach der Übernahme der Solar-Aktivitäten von Shell Solar stieg SolarWorld zu einem der führenden Hersteller von Solarmodulen in Deutschland auf.

In diesem Geschäftsfeld konkurriert Solon mit einer ganzen Reihe von internationalen Anbietern. Neben großen internationalen Konzernen wie Sharp, BP Solar, Kyocera und Sanyo, konkurriert Solon hier auch mit Photowatt, Solar-Fabrik und Isofoton. Daneben konkurriert Solon auch mit Dünnschichtspezialisten wie First Solar.

Beim Bau solarer Großkraftwerke sieht sich Solon im direkten Wettbewerb mit der Solar Millennium AG.

Ausblick

Für 2010 zeigte sich der Vorstand unterdessen optimistisch. Man rechne mit einem starken Anziehen der weltweiten Nachfrage nach Solartechnik. Gleichzeitig erwartet Solon aber weiterhin fallende Preise. Als Ziel für 2010 nannte das Unternehmen ein zweistelliges Umsatzwachstum sowie ein ausgeglichenes operatives Ergebnis.

Analysten rechnen allerdings bei Solon im laufenden Jahr nochmals mit einem Minus von 0,89 Euro je Aktie. Erst im nachfolgenden Jahr 2011 soll das Unternehmen dann wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreiben. Analysten erwarten dann im Schnitt ein Plus von 0,33 Euro je Anteil. Im nachfolgenden Jahr 2012 soll der Nettogewinn dann auf 0,79 Euro je Aktie klettern, wenn es nach den Prognosen der Analysten geht.

Bewertung

Solon-Papiere präsentierten sich zuletzt im Frankfurter Xetra-Handel weiter schwächer und geben um rund 3,5 Prozent auf 5,3 Euro nach, womit sich damit ein Börsenwert von rund 66 Mio. Euro für den deutschen Solarspezialisten ergibt. Solon befindet sich nach wie vor in einer typischen Turnaround-Phase, wobei Analysten spätestens im nächsten Jahr mit einer nachhaltigen Rückkehr in die schwarzen Zahlen rechnen.

Die Analysten aus dem Hause Equinet stehen Solon-Papieren weiterhin skeptisch gegenüber und empfehlen Anlegern die Papiere weiterhin zu „verkaufen“. Dabei senken die Analysten ihr Kursziel für das Papier von 6,0 auf 4,5 Euro. Die Zahlen im vierten Quartal seien noch schlechter ausgefallen als bislang angenommen, so Equinet-Experte Sebastian Growe. Die Bilanzzahlen, insbesondere im Bezug auf den Cashflow, bezeichnete der Analyst als alarmierend.

Auch im Hause Nomura Equity Research ist man alles andere als optimistisch. Die Analysten bewerten das Papier im Rahmen einer Ersteinschätzung mit „reduzieren“. Während die Analysten im Bereich der Solarthermie mit einem starken Wachstum rechnen, dürfte der anhaltende Preisdruck den Solarzellen- und Moduleherstellern weiter zusetzen, glauben die Nomura-Experten, die Solon-Aktien weiter mit 4,5 Euro bewerten.

Die Experten aus dem Hause WestLB glauben ebenfalls an weiter sinkende Kurse. Die WestLB-Banker stuften Solon-Papiere bereits Anfang Februar von „neutral“ auf „verkaufen“ zurück, wobei die Analysten ein Kursziel von 4,3 Euro für den Wert sehen. Der anhaltende Preisdruck in der Solarbranche dürfte die Hoffnungen auf ein profitables Jahr 2010 zu Nichte machen, glauben die Analysten. Die Analysten kalkulieren bei Solon daher mit einem operativen Verlust von 18 Mio. Euro in 2010.

Quelle: Solon

 
 

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