SEKISUI S-LEC gehört zu den führenden Herstellern von PVB-Zwischenschichtfolien für die Fahrzeugverglasung. Im Interview erklärt Lola van Ipenburg, wie steigende Anforderungen an Akustik, Thermik und Schaltfunktionen das Design moderner Fahrzeuggläser verändern – und warum multifunktionale Lösungen in einer einzigen Folie dabei eine zentrale Rolle spielen.
Welche Anforderungen haben derzeit den größten Einfluss auf die Entwicklung von Fahrzeugverglasungen?
Lola van Ipenburg: Derzeit sind drei Aspekte besonders relevant: Akustik, Sonnen- und Wärmemanagement sowie die funktionale Integration in Verbundglas.
Die Akustik gewinnt zunehmend an Bedeutung, da die Fläche von Dachverglasungen immer größer wird und herkömmliche Sonnenschutzrollos entfallen. Im Vergleich zu klassischen Fahrzeugen mit einer Glasdachfläche von rund 0,5 Quadratmetern verfügen neuere Fahrzeuge über mehr als zwei Quadratmeter Dachglas – mit entsprechend größerer Relevanz für den Schalleinfall durch das Dach.
In Windkanaltests an realen Fahrzeugen konnte SEKISUI S-LEC nachweisen, dass ein Panoramadach mit S-LEC™ Sound Acoustic Film den Schalldruck um bis zu 3 dB verbessert, was einem Gewinn von 3,7 Prozent beim Artikulationsindex entspricht – verglichen mit Standard-Verbundglas. Darüber hinaus wurden deutliche Verbesserungen nicht nur auf den Vordersitzen, sondern auch auf den Rücksitzen bestätigt.
Große Dachglasflächen wirken sich auch erheblich auf die Kabinentemperatur und den Energieverbrauch aus. Aus diesem Grund werden Panoramadächer häufig mit S-LEC™ Colour Film ausgestattet, mit Lichttransmissionsgraden von typischerweise 2 bis 60 Prozent für verschiedene Dachanwendungen. Durch die Kombination von Tönung, Schalldämpfung und Sonnenschutz kann die Zwischenschicht zu einem umfassenden Komfortsystem für die gesamte Verglasung werden – und das in einer einzigen Folie.
Dabei bleibt die Standarddicke von 0,76 mm erhalten, ohne die Systemkomplexität zu erhöhen.
Auch nimmt die Verbreitung schaltbarer Dachverglasungen zu, insbesondere auf dem europäischen Automobilmarkt. Verglasungen entwickeln sich damit zu wahrhaft multifunktionalen Bauteilen.
Schaltbares Glas ist definiert als Glas, das durch elektrische oder andere Lichtsteuerungsmechanismen zwischen transparent und opak bzw. transluzent wechseln kann. S-LEC™ Opt Light bietet optimierte PVB-Lösungen für schaltbare Technologien wie PDLC, SPD, EC und GHLC. Diese Lösungen bieten dünnere Farbtönungsoptionen, UV-Schutz und optische Klarheit mit geringer Trübung – und unterstützen damit sowohl funktionale als auch gestalterische Anforderungen moderner Fahrzeugarchitekturen.
Was treibt den zunehmenden Einsatz von Glasflächen in Fahrzeugen, insbesondere bei Dachverglasung, und wo liegen die Grenzen?
Lola van Ipenburg: Der wachsende Einsatz von Glasflächen wird in erster Linie durch Innenraumarchitektur, wahrgenommenen Komfort und Systemvereinfachung vorangetrieben.
Panoramadachverglasungen sorgen für ein helleres und offeneres Interieur – ein Merkmal, das von Kunden in verschiedenen Fahrzeugsegmenten zunehmend geschätzt wird. Gleichzeitig reduzieren oder eliminieren OEMs (Original Equipment Manufacturer/Fahrzeughersteller) mechanische Sonnenschutzrollos, um mehr Kopffreiheit zu gewinnen und sowohl Gewicht als auch Systemkomplexität zu reduzieren. Diese Entwicklung stellt höhere funktionale Anforderungen unmittelbar an die Verglasung selbst.
Die Grenzen werden erreicht, wenn akustische, thermische, optische und gewichtsbezogene Anforderungen isoliert betrachtet werden. Große Glasflächen erfordern einen sorgfältig abgestimmten, systemorientierten Ansatz. Multifunktionale Zwischenschichten bieten einen praxistauglichen Weg, diese konkurrierenden Anforderungen in einer einzigen, optimierten Struktur zu vereinen.
Wie hat die Elektrifizierung die Erwartungen an Fahrzeugverglasungen verändert?
Lola van Ipenburg: Die Elektrifizierung hat den Fokus auf Geräuschkontrolle und Energieeffizienz geschärft.
In Elektrofahrzeugen macht das Fehlen von Motorgeräuschen aerodynamische und fahrbahninduzierte Geräusche stärker wahrnehmbar – insbesondere durch die Dachverglasung. Daher wird S-LEC™ Sound Acoustic Film zunehmend in Panoramadachsystemen eingesetzt, um gleichmäßigen Akustikkomfort auf allen Sitzpositionen zu gewährleisten.
Lichtmanagement zur Wärmereduzierung ist ebenso wichtig. Die Verringerung des solaren Wärmeeintrags durch das Dachglas trägt dazu bei, den Klimatisierungsbedarf zu senken und die Fahrzeugreichweite zu unterstützen. S-LEC™ Colour Film-Lösungen ermöglichen dynamische Licht- und Sonnenschutzsteuerung, ohne mechanische Systeme hinzuzufügen oder nennenswert Gewicht zu erhöhen.
Was sollte die Glasindustrie priorisieren, um Kreislaufwirtschaftsziele zu unterstützen – trotz der Herausforderungen, die Verbundglas mit sich bringt?
Lola van Ipenburg: Der Fokus sollte auf Materialentwicklung, Langzeitbeständigkeit und funktionaler Konsolidierung liegen.
SEKISUI S-LEC bietet eine Reihe von PVB-Zwischenschichtlösungen, die zur Umweltperformance positiv beitragen können. S-LEC™ Solar Control Film verbessert die HVAC-Effizienz, indem er Infrarotstrahlung aus dem Sonnenlicht blockiert und damit den Klimatisierungsbedarf reduziert. S-LEC™ Sound Acoustic Film kann in Kombination mit dünnerem Verbundglas das Gesamtgewicht der Verglasung reduzieren und dabei die Schalldämmleistung erhalten oder verbessern – was die Kraftstoffeffizienz konventioneller Fahrzeuge steigert und den Stromverbrauch von Elektrofahrzeugen senkt.
Darüber hinaus sind S-LEC™ Opt Light-Lösungen darauf ausgelegt, schaltbare Technologien vor UV-bedingter Degradation zu schützen und so eine stabile optische und funktionale Leistung über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg zu gewährleisten.
Die Kombination mehrerer Funktionen – wie Schalldämmung, Sonnenschutz und schaltbare Eigenschaften – in einer einzigen Verbundstruktur reduziert zudem den Gesamtmaterialeinsatz und die Systemkomplexität. Aus europäischer Perspektive ist dieser integrierte, ingenieurtechnisch geprägte Ansatz entscheidend, um bei nachhaltigeren Fahrzeugverglasungen wirklich voranzukommen.